Seit dem 1. Februar 2026 ist Dr. Philipp Balscheit Direktor Business Development von Medicalis für die Deutschschweiz. Er gibt Einblick in seine Analyse eines Sektors, der mit einem akuten Mangel an qualifizierten Fachkräften konfrontiert ist und dem er mit einer koordinierten Strategie innerhalb der Interiman Group begegnet. 

Dr. Philipp Balscheit ist weder aus früher Berufung noch durch Zufall in den Gesundheitssektor gekommen. Er ist aus Überzeugung dorthin gelangt und aus einer Empathie heraus, die sich durch seinen ungewöhnlichen Lebensweg über die Jahre tief verwurzelt hat. 

Gesundheit betrifft das Innerste eines Menschen – und das gilt nicht nur für den eigenen Körper, sondern ebenso für den der Menschen, die einem nahestehen. Dr. Philipp Balscheit erinnert sich an eine prägende Episode im Zusammenhang mit seinem inzwischen verstorbenen Vater während der Pandemie. Damals leitete er eine Spitex Organisation und sein Vater lebte in Graubünden, weit entfernt von ihm und der restlichen Familie. Sein Gesundheitszustand war, wie bei vielen älteren Menschen hierzulande, ein zentrales Thema. 

Als er an COVID-19 erkrankt war, versicherte der alte Mann am Telefon, dass alles in Ordnung sei. Und wie sollte man daran zweifeln, wenn die Stimme lebendig klingt und die Worte beruhigend wirken? 
 
Philipp kannte die Warnsignale, die man nicht ignorieren sollte. Ein Jahr zuvor hatte er, zu Testzwecken und mit Einverständnis des Vaters, ein System installieren lassen, das von einem Spin-off der EPFL, DomoHealth, entwickelt wurde und mit dessen Sensoren sich tägliche Gewohnheiten überwachen und bei Auffälligkeiten Alarm schlagen lässt. Dank dieser Technologie konnte er erste Anzeichen erkennen: weniger Aktivitäten ausser Haus, längere Zeiten im Bett, häufigeres nächtliches Aufstehen. 
 
Bereits ein Jahr zuvor hatte er dieses System testweise und mit dem Einverständnis seines Vaters installiert, um dessen Alltag aus der Distanz besser nachvollziehen zu können. Alarmiert durch diese Hinweise liess er sich nicht länger von den beruhigenden Worten vertrösten. Als er vor Ort eintraf, fand er seinen Vater in einem besorgniserregenden Zustand mit kritischer Sauerstoffsättigung vor. «Die Hospitalisierung hat ihm in diesem Moment das Leben gerettet», sagt er. 

Ein alles anderer als geradliniger Werdegang 

Auch in seiner heutigen Funktion verfolgt der neue Direktor Business Development von Medicalis für die Deutschschweiz denselben Ansatz: Er schaut hinter die Oberfläche und verliert dabei nie die menschliche Dimension seiner Aufgabe aus den Augen. 

Sein beruflicher Weg zu Medicalis ist alles andere als geradlinig. Als Jurist mit Doktortitel beginnt er seine Karriere in der Pharma-IT in Basel. Dort entwickelt er eine methodische Strenge und eine ausgeprägte Testkultur, die ihn bis heute prägen. Anschliessend wechselt er in die Bauindustrie und verantwortet Fassadenprojekte für Hochhäuser in London, in La Défense in Paris sowie das Stadion in Luzern. Spektakuläre Projekte, enorme Budgets und gleichzeitig Margen von gerade einmal 1%. «Es war jeden Tag ein Kampf», erinnert er sich. Ein Auftrag über 25 Millionen Franken, mit minimaler Bruttomarge – und zusätzlich noch ein Sponsoring von 100’000 Franken, um den Zuschlag überhaupt zu erhalten. 

«Als ich meinen Kindern dieses Modell erklärte, sahen sie mich mit grossen Augen an und meinten, es sei vielleicht Zeit, sich beruflich neu zu orientieren.» 

Mit 45 Jahren stellt er sich daher eine entscheidende Frage: In welchem Sektor kann ich sinnvoll und nachhaltig arbeiten. Die Antwort lautet: im Gesundheitswesen, weil er dort Wirkung, Stabilität und Sinn vereint sah.  

Eine methodisch aufgebaute Neuausrichtung 

Den ersten Schritt machte er 2017 und übernimmt die Leitung eines grossen privaten Spitex Netzwerks mit rund 15 Standorten zwischen Bodensee und dem Genfersee. Vier Jahre später wird das Unternehmen verkauft. In dieser Zeit begegnet er Yves Schneuwly, heute Chief Digital & Marketing Officer der Interiman Group, und kommt erstmals mit der Personalvermittlung im Gesundheits- und Sozialwesen in Kontakt. 

Der Perspektivwechsel überzeugt ihn sofort: Er kennt die Herausforderungen der Kunden aus eigener Erfahrung als Leistungserbringer im Pflegebereich. Vom Auftraggeber zum Anbieter zu wechseln, erscheint ihm nicht nur logisch, sondern auch reizvoll. Er tritt einem Unternehmen bei, das im Bereich des digitalen Personalverleihs tätig ist, und baut dort die Vertriebsstrategie für die Deutschschweiz von Grund auf auf. 

Die Entwicklung spricht für sich: Was 2022 bei nahezu null begann, ist in nur drei Jahren zu einem substanziellen Geschäftsfeld geworden – mit einer Wachstumskurve, die sich Jahr für Jahr beschleunigt hat. Die Grundlage dafür war eine methodische Herangehensweise: eine systematische Erfassung aller Pflegeheime der Schweiz, eine präzise Analyse verfügbarer Profile und eine Kundenstrategie, die nichts dem Zufall überlässt. 

Doch je länger er in diesem Umfeld arbeitet, desto klarer wird ihm eine strukturelle Schwäche rein digitaler Vermittlungsplattformen: Sie optimieren Prozesse, aber sie verlieren den Menschen aus dem Blick. Eine Pflegefachperson ist kein austauschbares Profil in einer Datenbank und eine Institution kein anonymer Einsatzbetrieb. Was fehlt, ist Beziehung. Vertrauen. Kontinuität. 

Der Mensch im Mittelpunkt 

Die Interiman Group verfolgt genau hier einen anderen Ansatz und das ist es, was Philipp Balscheit überzeugt, seine Erfahrung in einem grösseren, ambitionierteren Rahmen einzubringen. Gemeinsam mit Medicalis-Direktor David Paulou, der diese Philosophie massgeblich prägt, trägt er sie nun in die Deutschschweiz: Technologie als Werkzeug, der Mensch als Mittelpunkt. Dieses Modell verbindet digitale Effizienz mit persönlicher Begleitung – sowohl der Fachkräfte als auch der Partnerinstitutionen. Für Philipp Balscheit ist das nicht nur ein Verkaufsargument, sondern eine Haltung, die seiner eigenen Überzeugung entspricht. Seit dem 1. Februar 2026 verantwortet er die Geschäftsentwicklung von Medicalis in der Deutschschweiz.» 

«Wir sind nicht immer willkommen», sagt er offen. Institutionen führen häufig die Kosten als Hauptargument gegen temporäre Mitarbeitende an. Doch Philipp Balscheit begegnet diesen Vorbehalten mit konkreten Zahlen. In einem mittelgrossen Pflegeheim kann eine intelligente Kombination aus festangestellten und gezielt eingesetzten temporären Mitarbeitenden Einsparungen von bis zu 600 Franken pro Tag allein bei den Personalkosten ermöglichen – und gleichzeitig die Belastung der Festangestellten spürbar reduzieren.  

«Viele gehen davon aus, dass externe Kräfte teurer sind. Aber wenn man sie richtig einsetzt, stimmt das nicht.» 

Ein Ansatz, der auf Vertrauen setzt 

Der Schlüssel liegt für ihn nicht im Verkauf, sondern in der Aufklärung. Es geht darum, vor Ort präsent zu sein, zuzuhören, Transparenz zu schaffen und Vertrauen aufzubauen. Entscheidend ist ein Modell, das die Bedürfnisse der Institutionen und jene der Pflegefachpersonen in Einklang bringt. 

Das bedeutet: flexible Arbeitszeiten, die eine gesunde Work-Life-Balance ermöglichen, freiwillige statt erzwungener Mobilität sowie eine langfristige Begleitung anstelle von rein kurzfristigen Einsätzen. 

Medicalis befindet sich in der Deutschschweiz an einem Wendepunkt seiner Entwicklung. Dr. Philipp Balscheit ist sich dessen bewusst und nimmt diese Herausforderung an. Der Gestaltungsspielraum ist da, die Vision klar: Zunächst sollen die Standorte Zürich und Bern gestärkt werden, bevor weitere Niederlassungen in bereits identifizierten Städten eröffnet werden. 

Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre soll die gesamte Deutschschweiz mit einer starken lokalen Präsenz, engagierten Teams und einem Leistungsangebot abgedeckt werden, das über klassische Personalvermittlung hinausgeht und echte Partnerschaften mit Gesundheitseinrichtungen schafft.  

«Wenn die Menschen nicht mit Leidenschaft dabei sind, wird es nicht funktionieren», sagt er. Diese Überzeugung begleitet ihn seit Langem. Ein funktionierendes Gesundheitssystem kommt letztlich allen zugute. Dass er das nicht nur als Überzeugung trägt, sondern aus eigener Erfahrung weiss – daran erinnert ihn sein Vater, auch heute noch.