Drei von vier Pflegenden: Ohne Temporärarbeit stünde die Gesundheitsversorgung vielerorts still
Eine Medicalis-Umfrage, die Ende 2025 und Anfang 2026 bei knapp tausend Pflegefachkräften durchgeführt wurde, davon 937 in der Romandie, beleuchtet die Rolle der Temporärarbeit, die Faktoren, die Fachkräfte langfristig im Beruf halten, sowie den Stellenwert, den sie der Digitalisierung beimessen. Dabei tritt ein selten thematisiertes Paradox zutage: Obwohl die Befragten bessere Löhne als wichtigste Forderung nennen, sind diese nicht der Hauptgrund, weshalb sie ihrem Beruf treu bleiben.
Ohne Temporärarbeit wäre das Gesundheitssystem in zahlreichen Bereichen lahmgelegt: Davon sind rund drei Viertel der Pflegefachkräfte in der Romandie (74,5%) überzeugt. Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse der gross angelegten Umfrage, die Medicalis Ende 2025 und Anfang 2026 bei rund tausend Pflegefachkräften durchgeführt hat, davon 937 in der Westschweiz.
In den Westschweizer Kantonen ist der Rückgriff auf Temporärarbeit alles andere als marginal: 85% der Befragten haben aktuell oder in der Vergangenheit Erfahrung damit gesammelt. Ihre Haltung dazu ist eindeutig: Fast acht von zehn Befragten (79%) sehen in der Temporärarbeit ein wirksames Mittel gegen Personalmangel, und nahezu zwei Drittel (65%) beurteilen ihre Zukunft positiv. Temporärarbeit wird damit nicht als Notlösung wahrgenommen, sondern als bewusste Wahl und als wichtiger Pfeiler für die Sicherstellung der Patientenversorgung.
«Zu oft wird Temporärarbeit als Notlösung wahrgenommen. Unsere Daten zeigen das Gegenteil: Pflegefachkräfte sehen darin eine tragende Säule für die Kontinuität der Versorgung und eine bewusste Karriereentscheidung», erklärt David Paulou, Generaldirektor von Medicalis.
Der Lohn, eine trügerische Annahme
Die Umfrage rüttelt zudem an einer verbreiteten Annahme. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69%) wünschen sich höhere Löhne, damit sie langfristig im Beruf bleiben. Fragt man jedoch nach den Gründen, die sie heute tatsächlich im Beruf halten, ergibt sich ein anderes Bild: Der Lohn rangiert mit 25% lediglich auf dem sechsten Platz, deutlich hinter dem Patientenkontakt (70%) und der Sinnhaftigkeit der Arbeit (59%). Mit anderen Worten: Die Entlöhnung kann zwar einen Weggang begründen, sie ist jedoch nicht der entscheidende Faktor für die langfristige Bindung an den Beruf.
Diese wird vielmehr durch andere Aspekte geprägt: Anerkennung, die Integration ins Team und die Weiterbildung. Mehr als acht von zehn Pflegefachkräften in der Romandie (82%) erachten die kontinuierliche Weiterbildung als wichtig. Genau hier setzt Medicalis mit der Medicalis Academy an.
«Dass mehr als acht von zehn Pflegefachkräften Weiterbildung als wichtig erachten, ist keineswegs nebensächlich. Es zeigt, dass sie ihre berufliche Entwicklung aktiv mitgestalten möchten. Genau darin liegt die Aufgabe der Medicalis Academy, die ihnen konkrete Perspektiven für Weiterentwicklung und Spezialisierung eröffnet», erläutert Bernadette Marques, Leiterin der Medicalis Academy.
Digitalisierung erwartet, aber nicht gefordert
Die Studie untersucht auch die Rolle von Technologie im Gesundheitswesen. Sieben von zehn Pflegefachkräften (70%) gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz ihren Berufsalltag in den kommenden fünf Jahren stärker prägen wird. Gleichzeitig befürchten sechs von zehn Pflegefachkräften (61%), dass ein übermässiger Technologieeinsatz die menschliche Dimension der Pflege und Betreuung beeinträchtigen könnte. Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in den offenen Antworten der Befragten wider.
Besonders aufschlussreich ist die letzte Frage der Umfrage: 469 Pflegefachkräfte aus der Romandie nannten frei, was sie im Gesundheitswesen am dringendsten verändern würden. Technologie spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen standen ganz andere Anliegen im Vordergrund: mehr Personal, mehr Zeit und mehr Anerkennung.
Diese Entwicklungen beschränken sich nicht auf die Sprachgrenzen der Schweiz. Die deutschsprachige Stichprobe fällt zwar kleiner aus, dennoch bestätigen die Antworten aus der Deutschschweiz die wichtigsten Erkenntnisse der Westschweiz, insbesondere die systemrelevante Bedeutung der Temporärarbeit und das beschriebene Lohnparadox.
Methodik: Die Medicalis-Umfrage wurde zwischen Dezember 2025 und März 2026 online bei rund tausend Pflegefachkräften in der Schweiz durchgeführt, davon 937 in der Westschweiz. Die Anzahl der Antworten sowie die Vielfalt der befragten Profile verleihen den Ergebnissen für die Westschweiz eine hohe Aussagekraft. Ergänzend wurde eine kleinere Befragung in der Deutschschweiz durchgeführt (62 Teilnehmende), deren Ergebnisse als indikative Vergleichswerte dienen.
Über Medicalis: Medicalis ist ein Unternehmen der Interiman Group, das qualifizierte Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialwesen für temporäre Einsätze und Festanstellungen in der gesamten Schweiz rekrutiert und vermittelt.
Medicalis unterstützt Pflegeeinrichtungen, Spitäler, Kliniken, Alters- und Pflegeheime sowie Pflegefachkräfte mit einem starken Fokus auf qualitativ hochwertige Profile, schnelle Reaktionszeiten und fundierte Branchenkenntnisse. Dank seiner Spezialisierung und einem breiten Kandidatennetzwerk trägt Medicalis dazu bei, den Personalbedarf des Schweizer Gesundheitswesens zu decken. Gleichzeitig bietet das Unternehmen Pflegefachkräften passende berufliche Perspektiven sowie mit der Medicalis Academy eine eigene Weiterbildungsplattform.


